Kirche-Heute und morgen

 

 

Schwerpunkt: Kinder-Jugend-Familien-Pastoral

 


Vieles Aktivitäten in Ibbenbüren und Umgebung gibt es in den katholischen Pfarrgemeinden besonders Frauen und Senioren machen eine gute Arbeit mit Treffen, Gebetskreisen und Aktionen. Hier wächst etwas Neues.  Wenig hört man über die Kinder und Jugendlichen. Gerade hier muss Kirche ansetzen, denn im demografischen Wandel geht ihr sonst die Puste aus.


Kirche heute und morgen – ein Versuch einer Deutung

Kirche verändert sich. Sie hat sich immer verändert: in ihren Räumen, in ihrer Sprache, in ihrer Liturgie, in ihren Ausdrucksformen und in der Art, wie Menschensich zu ihr zugehörig fühlen. Jede Zeit stellt andere Fragen. Jede Generation bringt neue Erfahrungen mit. Darum ist die Frage nach der Kirche von heute zugleich immer auch die Frage nach der Kirche von morgen.

Viele Menschen fragen sich heute, ob der Kirchenraum noch ein heiliger Ort ist oder ob er stärker als Mittelpunkt des gemeinschaftlichen Lebens verstanden werden sollte. Andere sehen im Gottesdienst vor allem ältere Menschen sitzen und fragen sich ob Kinder, Jugendliche und Familien genügend Raum bekommen. Wieder andere erleben, dass pastorale Räume größer, anonymer und unübersichtlicher werden. Ansprechpartner wechseln, vertraute Gesichter fehlen, und Heimat geht verloren.

Dieser Text ist mein persönlicher Versuch, diese Entwicklungen zu deuten. Ich schreibe ihn aus der Erfahrung heraus, dass mir Kirche trotz aller Veränderungen wichtig geblieben ist und dass ich zugleich spüre, wie sehr sie sich bewegen muss, wenn sie Menschen heute erreichen will. Darum frage ich nicht nur, was verloren geht, sondern auch, was neu entstehen kann: eine Kirche, die offen bleibt für Kinder und Jugendliche, für ökumenische Zusammenarbeit, für neue Formen der Verkündigung, für Begegnung nach dem Gottesdienst und für eine Raumgestaltung, die Gemeinschaft sichtbar macht.

1. Kirche im Wandel

er auf die vergangenen Jahrzehnte zurückblickt, erkennt deutlich: Kirche ist nie unverändert geblieben. Formen, Sprache nd Schwerpunkte haben sich immer wieder gewandelt. Das gilt besonders für die Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Was früher selbstverständlich war, erscheint heute vielen fremd; was damals neu und ungewohnt wirkte, ist inzwischen für viele zur Normalität geworden.

Ich erinnere mich daran, dass 1958 in meiner Gemeinde der Gottesdienst noch am Hochaltar gefeiert wurde. Der Priester und die Messdiener standen mit dem Rücken zur Gemeinde. Große Teile der Liturgie wurden auf Latein gesprochen. Die Messdiener antworteten auf Latein, die Gemeinde kannte bestimmte Formeln wie „Dominus vobiscum“ und „Et cum spiritu tuo“. Viele Gläubige beteten währenddessen in ihren eigenen Gebetbüchern. Auch ich habe diese Form als würdevoll erlebt, aber zugleich blieb vieles für die Gemeinde auf Abstand. Nur bei der Wandlung richtete sich die Aufmerksamkeit besonders auf den Altar.

Mit der liturgischen Erneuerung veränderte sich vieles. Der Altar rückte von der Wand ab. Der Priester stand nun der Gemeinde zugewandt. Zunächst geschah dies oft provisorisch, später wurden neue Altäre errichtet. Auch wenn der Altar häufig noch erhöht stand, wurde sichtbar: Gottesdienst ist nicht nur ein Geschehen, das vorne am Altar geschieht. Die Gemeinde wird stärker einbezogen. Sie ist nicht Zuschauerin, sondern Mitfeiernde. 



Bilder Zwei Seiten aus dem „Laudate“ Gebetbuch für das Bistum Münster:   Seite für den Lektor, mit Antiphon und Lesungs- und Evangelientext .  Und eine Seite  Lateinisch /Deutsch  für Messgebete, die lateinisch gebetet wurden und von den Gläubigen mitgelesen wurden (1960)



2. Der Kirchenraum als heiliger Ort und Lebensraum

Für mich bleibt der Kirchenraum ein heiliger Ort. Aber heilig bedeutet nicht starr, unberührbar oder lebensfern. Heilig bedeutet alles, was dem Menschen Heil, Hilfe, Geborgenheit, Frieden bringt. Gerade weil dieser Raum mir wichtig ist, wünsche ich mir, dass er auch ein Raum der Begegnung, des Gesprächs, der Gemeinschaft und der Mitmenschlichkeit sein darf. Darin kann seine Würde sichtbar werden: dass Menschen dort mit ihrem Glauben, ihren Fragen, ihrer Freude und ihrer Not vorkommen dürfen.

Die Raumgestaltung sagt viel darüber aus, wie Kirche sich selbst versteht. Ist der Altar vor allem Opferaltar, auf den hin alles ausgerichtet ist? Oder wird stärker die Mahlgemeinschaft betont, zu der Jesus einlädt? Beide Deutungen gehören zur christlichen Tradition. Doch für viele Menschen wird Gemeinschaft heute besonders dann erfahrbar, wenn sie räumlich sichtbar wird: durch Sitzordnungen im Halbkreis, durch freie Bestuhlung, durch Tische bei besonderen Gottesdiensten oder durch Formen, in denen die Gemeinde einander ansehen kann.

In manchen Kirchen ermöglichen freie Stuhlreihen schon heute verschiedene Formen: Gottesdienste im Kreis, Kleingruppengottesdienste, Tischgemeinschaften, Familiengottesdienste oder besondere Feiern am Gründonnerstag. Wo noch feste Bänke dominieren, könnte behutsam geprüft werden, ob einzelne Bankreihen verändert, entfernt oder anders gestellt werden können. Ziel ist nicht die bloße Modernisierung des Raumes, sondern die Frage: Welche Form hilft der Gemeinde, gemeinsam zu feiern und sich als Gemeinschaft zu erleben?

Eine weitere Gestaltungsmöglichkeit in der Kirche biete sich eine wechselnde Info Wand in einem Seitenteil des Raumes: Thematische Gestaltungen zu Festen (Weihnachten, Ostern), besonderen Ereignissen (Jugendtage, Wallfahrt) ,  aktuellen Fragen (Flüchtlinge, Krieg und Frieden, Ukraine, Judentum, III. Reich) könnten das Kirchenbild erweitern.  Beispiele wären: Egli-Figuren mit der Darstellung von bestimmten biblischen Szenen, Lebensbilder von berühmten Menschen (Geschwister Scholl, Johannes XXIII, Klemens Niermann, Roger Schutz, Mutter Theresa).  Gestalten könnten abwechselnd Gruppen oder Einzelpersonen aus der Gemeinde- vielleicht auch in den Gemeinden austauschen.

Wichtig erscheint mir ein offenes Herangehen an Fragen der Umgestaltung einer Kirche, eines Gottesdienstraums. Das Vertrauen zu den Gläubigen darf nicht verloren gehen, wenn sie vor vollendete Tatsachen bei großen Veränderungen gestellt werden.  Beraten, Bekanntmachen, Mitsprache, Kompromisse sind hier gefragt. Ist das Vertrauen erst einmal verloren, sind große Anstrengungen nötig.

3. Liturgie und Sprache

Auch die Liturgie hat sich deutlich verändert. Besonders spürbar war der Wandel der Sprache. Der Gottesdienst wurde für die Gemeinde verständlicher, weil die deutsche Sprache mehr Raum bekam. Die Gläubigen konnten nicht nur innerlich mitbeten, sondern auch sprachlich und gemeinschaftlich teilnehmen. Die Liturgie wurde stärker zum Gemeindegottesdienst.

Die Einführung der Lesejahre A, B und C öffnete zudem einen größeren biblischen Reichtum. Innerhalb von drei Jahren werden wesentlich mehr Texte aus der Heiligen Schrift im Gottesdienst gehört. Dennoch bleibt die Sprache der Bibel für viele Menschen schwierig. Das gilt besonders für Kinder, Jugendliche und auch für Erwachsene, die wenig religiöse Vorerfahrung haben.

Darum braucht Verkündigung Übersetzung. Gemeint ist nicht eine Verflachung der biblischen Botschaft, sondern eine Sprache, die Menschen erreicht. Familiengottesdienste, Kinderbibeln, Bibeltexte in einfacher Sprache, Bilder, Musik, Kurzfilme und andere Medien können helfen, die Botschaft verständlich und lebendig werden zu lassen. In einer Zeit, in der Menschen stark über Bilder, Musik und digitale Medien angesprochen werden, sollte auch die Kirche diese Ausdrucksformen ernst nehmen. Eröffnungen der Gottesdienste mit einem Anspiel aus dem Leben oder Darstellung eines biblischen Texten in Tanz und Pantomime wecken das Interesse und erhöhen die Aufmerksamkeit.  

Für Kinder sollte es Familienmessen mit ausgewählten und umgeschriebenen Bibeltexten geben. Viele Theologen haben sich Gedanken dazu gemacht und eigene Bibelübersetzungen und auslegende Texte gestaltet. (zum Beispiel Das Neue Testament von Jörg Zink oder das Neue Testament von Albert Kammermeyer. Gerade für Kinder gibt s viele bebilderte Bibeln mit einfachen Texten. So aus dem Patmos-Verlag. Oder von D.A.Cramer-Schaap – Die Bibel erzählt für Kinder. Auch die Bibel in einfacher Sprache.  Ein reicher Schatz an Möglichkeiten biblische Texte und Gedanken an Kinder, Jugendliche und auch manche Erwachsene zu bringen.  Bilder sind auch   so ein wichtiges Hilfsmittel, Leinwände gehören mit Beamer oder großen Fernseher in jede Kirche. Gerade in der heutigen Zeit und Medienwelt werden die Ausdrucksformen immer wichtiger. Lieder von Liedermachern haben so tiefgehende Texte, dass sie manche Predigt für geübte Höher ersetzen. Auch Filme/ Kurzfilme können Mittel der Verkündigung sein. -NICHT NUR DER FESTGELEGTE BIBELTEXT.

 

4. Verkündigung als Aufgabe der ganzen Gemeinde

Verkündigung ist ein zentraler Bestandteil des Gottesdienstes. Sie sollte nicht nur Erklärung sein, sondern Deutung: Was sagt der biblische Text heute? Was bedeutet er für Menschen in ihren Lebensgeschichten, in ihren Sorgen, in ihrer Freude, in ihren politischen und gesellschaftlichen Fragen?

In Ibbenbüren gab es bereits frühe Erfahrungen damit, dass Frauen und Männer mit theologischer Bildung Predigtdienste übernahmen und Wort-Gottes-Feiern leiteten. Solche Dienste können Gemeinden bereichern. Sie bringen unterschiedliche Lebensgeschichten, Sichtweisen und Sprachformen ein. Besonders dort, wo Priester weniger werden und pastorale Räume größer werden, ist die Beteiligung von Laien nicht nur eine Entlastung, sondern ein Zeichen lebendiger Gemeinde.

Frauen und Männer sollten in der Verkündigung sichtbar mitwirken können. Nicht am Rand, nicht nur in vorbereitenden Worten, sondern dort, wo die Gemeinde das Wort Gottes hört und deutet. Eine solche Beteiligung macht deutlich: Glaube wird nicht nur von Amtsträgern getragen. Er lebt auch aus der Erfahrung vieler Getaufter.

 

 

Beispiele aus Ibbenbüren

Aussagen zu den Lesungstexten in der Messe bleibt ja nach Wunsch Roms dem Zelebranten vorbehalten. Als wir noch viele Geistliche in den Gemeinden hatten, gab es schon Ausnahmen. Einer der Kapläne übernahm die 5 Predigten am Wochenende in der Gemeinde Kirche und die anderen zelebrierten die Hl. Messe.  Als ich 1972/73 nach Ibbenbüren kam, habe ich schon in einer Pfarrkirche an vielen Wochenenden zur Entlastung der Pfarrer die Predigten halten dürfen. In der Zeit der Ölkrise zwei am Samstag und 3 am Sonntag. Das hat sich in Ibbenbüren auch in anderen Gemeinden gehalten, Predigtdienste von Männern und Frauen mit theologischem Hintergrund. So entstanden hier in Ibbenbüren auch die ersten Pools für Gottesdienstleiter für Wort-Gottes-Feiern, die mit viel Engagement ihre Arbeit tun. Besonders auch im Krankenhaus nach dem Tod von Klemens Niermann. Diese Gottesdienste haben zwar auch eine Form und ein Gerüst, bieten aber viel mehr Freiheiten. Auswahl von Texten. Auch literarische sind mal mit dem Evangelium verbunden. Oder andere Menschen kommen dort zu Wort-direkt oder aus dem Bericht des GoLeiters.


5. Ökumene und Blick über den Tellerrand

Ohne intensive ökumenische Zusammenarbeit wird die Zukunft der Kirchen wesentlich schwieriger werden. Die katholische und die evangelische Kirche stehen vor ähnlichen Herausforderungen: weniger Bindung, weniger hauptamtliches Personal, größere pastorale Räume, mehr Distanz vieler Menschen zu kirchlichen Formen. Darum sollten sie nicht nebeneinanderher arbeiten, sondern stärker gemeinsam handeln.Ökumene - pfarrbrief.de 12049 (c) Pfarrbrief.de

Ökumene beginnt nicht erst bei großen offiziellen Erklärungen. Sie beginnt im Alltag: bei gemeinsamen Gottesdiensten, beim Kanzeltausch, bei Bibelabenden, bei Projekten mit Kindern und Jugendlichen, bei Besuchen in Kindergärten und Schulen. Wenn katholische und evangelische Geistliche gemeinsam auftreten, entsteht Vertrauen. Wenn Gemeinden einander kennenlernen, werden Unterschiede nicht verschwiegen, aber sie verlieren ihre trennende Härte.

Auch der interreligiöse Dialog gehört in diese Perspektive. In Kindergarten, Grundschule und Gesellschaft begegnen Kinder längst Menschen unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen. Pfarrer, Pastorinnen, Pastoren, Vertreter freikirchlicher Gemeinden und auch Imame können gemeinsam zeigen, dass religiöse Verschiedenheit nicht zuerst Angst machen muss, sondern verstanden und respektiert werden kann.

 

6. Kinder, Jugendliche und Familien

Viele ältere Menschen sind der Kirche treu geblieben. In den Bänken sitzen oft graue und schlohweiße Haare. Das ist wertvoll und verdient Respekt. Zugleich darf sich Kirche nicht damit zufriedengeben. Wenn Kinder, Jugendliche und Familien keinen Platz finden, verliert Kirche ihre Zukunft.

Ich habe selbst erlebt, wie entscheidend es für Eltern ist, ob sie mit ihren Kindern im Gottesdienst willkommen sind oder sich ständig entschuldigen müssen. Wenn ein Kind etwas fragt, raschelt, lacht oder unruhig wird, spüren Eltern sofort, ob die Gemeinde dies als Störung empfindet oder als Zeichen von Leben annimmt. Für mich war besonders eindrücklich, wie entspannt Familien bleiben können, wenn es eine kleine Ecke mit Büchern, Malsachen oder einer einfachen Beschäftigung gibt. Vielleicht abgetrennt vom Kirchenraum, schalldicht verglast. Dann müssen Kinder nicht verschwinden, sondern dürfen da sein – und die Eltern können den Gottesdienst mitfeiern, ohne fortwährend angespannt zu sein.

Ziel muss sein, Kinder und Jugendliche zu begeistern. Kirche soll für sie Heimat werden: ein Ort, an dem sie willkommen sind, Fragen stellen dürfen, singen, malen, lachen, unruhig sein und Gemeinschaft erleben können. Dazu braucht es regelmäßige Kinder- und Familiengottesdienste. In einer großen Pastoral-Struktur sollte wöchentlich an einem Ort ein solcher Gottesdienst stattfinden.

Es muss nicht jede Gemeinde alles neu erfinden. Viele gute Anregungen, Modelle und ausgearbeitete Gottesdienste sind bereits vorhanden. Pädagoginnen, Pädagogen, Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten haben wertvolle Materialien entwickelt. Sie gibt es inzwischen von jedem Fest, zu jedem Sonntag. Das muss nicht von jeder Gemeinde alles neu erfunden werden.  

https://www.kindergottesdienst-katholisch.de/      

https://www.kinderpastoral.de/kindergottesdienst

https://www.familien234.de/bibelbild/

 

Entscheidend ist, dass Gemeinden diese Möglichkeiten nutzen und nicht aus Gewohnheit beim Alten bleiben.

In jede Kirche gehört eine Kinderwohlfühlecke mit Tisch, Büchern, Malsachen und kleinen Angeboten. Sie gibt Eltern und Kindern das Gefühl: Hier sind wir willkommen. Kinder müssen nicht immer aus dem Gottesdienst herausgenommen werden. Sie sollen Gemeinde erleben, und die Gemeinde soll Kinder erleben: lebhaft, neugierig, manchmal unruhig, aber voller Leben.

Man muss eventuell auch mal deutlich investieren. Mir wird das deutlich am weihnachtlichen Krippenspiel. Häufig eine schöne Erbauung für die Familien. Leider bleiben wegen der Technik und der mangelnden Übung und Auswahl der Texte die Ergebnisse schwach.   Eine fache Struktur beim Krippenspiel, gängige Lider machen etwas aus. Verbindend und ausgleichend zu den Kindern kann auch ruhig ein erwachsener Sprecher auftreten. Wichtig ist eine gute funktionierende Übertragungsanlage mit Funkmikrofonen, da damit ein Weitereichen eines Mikrofons überflüssig wird, was den Spielablauf hemmt.  Für eine große Gesamt - Gemeinde – wie geplant- könnte sich auch mal ein gutes Krippenspiel mit Kindern und Erwachsenen anbieten. Eine freikirchliche Gemeinde stellt in Ibbenbüren in jedem Jahr ein fast 2-stündiges Spiel mit Musik  auf die Beine.  Das ist sicher sehr aufwendig und kostet Zeit und Geld, könnte aber eine gute Investition werden

 

Auch Jugendgottesdienste verdienen einen neuen Anlauf. Ein monatlicher Jugendgottesdienst mit Band, moderner Musik, verständlicher Sprache und anschließender Begegnung könnte ein starkes Zeichen setzen. Wenn frühere Versuche einer Jugendkirche gescheitert sind, sollte daraus nicht Mutlosigkeit entstehen. Vielleicht braucht es einen dritten Anlauf – mit mehr Unterstützung, besserer Organisation und einer klaren Einladung an Jugendliche. Junge Menschen brauchen einen eigenen Raum, der ihren Vorstellungen entspricht. Lichgestaltung, Mediengestaltung und einfühlsame Texte. Nicht von ungefär sind mache der Superstars mit ihren Konzerten zu einer Orientierung des Lebens für junge Menschen geworden. „Liebe ,Zueignung, Hilfe, Vertrauen, Frage nach dem „ich“ und „Du“, sind zentrale Aussagen dieser Veranstaltungen. Hier gilt es einzuhaken: Jesus und der Glaube können solche Hilfen und Themen sichtbarmachen. Es sind die zentralen Punkte unseres Glaubens. Nur anders verpackt.  Aufmerksamkeit von Jugendlichen ist heute nicht mehr auf 60 Minuten-Länge des normalen Gottesdienstes – ausgerichtet. Auch lange sprachlich Passagen, Lesungen und Predigten führen zu einem schnellen Abschalten der Aufmerksamkeit. Kurz knapp und knackig   soll die Aussage sein. Sie soll emotional ansprechen und interessant gestaltet sein.

7. Offene Kirche als Ort der Begegnung

Eine offene Kirche sollte selbstverständlich sein. Kirchenräume erzählen Geschichten. Sie sprechen durch Architektur, Licht, Bilder, Altäre, Fenster und Stille. Wer eine Kirche betritt, sucht vielleicht Gebet, vielleicht Ruhe, vielleicht nur einen Moment des Innehaltens. Darum sollten Kirchen, wo immer es möglich ist, offen sein.

Meine Erfahrungen in Schweden haben mir deutlich gemacht, wie einladend offene Kirchen sein können. Dort saßen in der Urlaubszeit oft junge Leute oder ältere Menschen in den Kirchen, erzählten etwas über den Raum und boten Kaffee, Tee oder ein Getränk an. Manchmal gab es ein Plätzchen. Für mich blieb am Ende nicht nur ein schöner Kirchenbesuch, sondern die Erfahrung: Kirche kann Menschen niedrigschwellig, freundlich und ganz ohne große Schwelle begegnen.

Solche offenen Kirchen kosten vor allem Zeit und Aufmerksamkeit. Sie könnten auch ein Feld für Firmlinge, Ehrenamtliche oder Gruppen in der Gemeinde sein. Wer anderen den Kirchenraum erklärt, setzt sich selbst neu mit ihm auseinander. So wird Kirche nicht nur als Gebäude bewahrt, sondern als Ort lebendiger Begegnung erfahrbar.

Vielleicht noch ein Wort zu den bisherigen Pastoraten und kirchlichen Wohnungen

Im Zuge der Neuordnung werden diese Häuserabgerissen oder verkauft. Gut wäre es sicher, wenn man diese Häuser halten würde für Pastoralreferenten, Diakone im Nebenamt oder interessierte Familien, die dann offizielle Anlaufstellen für Menschen der kleineren Gemeindeeinheiten sein könnten. (Gespräche und Hilfen, die ein Pfarrbüro nicht unbedingt geben kann. Damit man nicht im Pastoralen Raum erst lange Wege hinter sich bringen muss. Die Strecke ist schon enorm: Von Kattenvenne, Lengerich, Tecklenburg, Ibbenbüren bis hin nach Riesenbeck, Birgte,Hörstel.

8. Was nach dem Gottesdienst geschieht

Früher gab es vielerorts nach dem Gottesdienst den Frühschoppen oder das Gespräch in der Kneipe. Heute ist diese Form seltener geworden. Doch die Frage bleibt: Was geschieht nach dem Gottesdienst? Gehen alle sofort auseinander, oder entsteht Raum für Gespräch, Begegnung und Gemeinschaft?

Gute Erfahrungen gibt es mit Kirchencafés, Kapellencafés, Glühwein im Kirchenraum oder einfachen Gesprächsmöglichkeiten im Vorraum. Manchmal braucht es nur Kaffee, Tee, ein Stück Kuchen oder ein Getränk, damit Menschen bleiben und miteinander sprechen. Entscheidend ist nicht die große Organisation, sondern die Haltung: Wir gehen nicht nur nebeneinander in den Gottesdienst, sondern wir gehören zusammen.

Beispiele: Früherer war da der Frühschoppen, das gemeinsame Gespräch in der Kneipe-besonders für Männer. Heute weniger. Aber in einigen Pfarreien geht der Zelebrant mit in eine Kneipe zum Gespräch. Das ist ein guter Ansatz. Auch das Kapellen-Cafe- wie früher in der Kapelle St. Elisabeth im Klinikum- diesen Charme der Gemeinschaft. Einige buken einen Kuchen, andere gaben Kaffee dazu. So konnte man sich im Kirchenvorraum zusammensetzen und miteinander sprechen. Man musste nicht erst den Ort wechseln. Ahänliches habe ich schon in Ibbenbüren mit Glühwein erlebt-an kalten Tagen. Nach dem Gottesdienst hinten in der Kirche. Der Glühwein wurde in dem alten Beichtstuhl gekocht. Ein schöner Brauch.  In den 70iger Jahren haben wir das auch beim Musical Ave Eva und Zirkus Mensch gemacht, das wollte der Bischof verbieten. Es regnete an dem Abend – und so gab es Wein und Kaffee in der Kirche in Laggenbeck für 1000 Personen.

Gerade in größeren pastoralen Räumen wird diese Begegnung wichtiger. Wenn Seelsorgerinnen und Seelsorger wechseln und Gemeinden größer werden, braucht es kleine Orte der Verlässlichkeit. Das Gespräch nach dem Gottesdienst kann helfen, Anonymität zu überwinden und Heimat zu schaffen.

9. Eine Vision für die Kirche der Zukunft

Die Kirche der Zukunft wird nicht einfach die Kirche der Vergangenheit sein. Sie wird kleiner, vielfältiger und vielleicht auch verletzlicher sein. Aber sie kann lebendig bleiben, wenn sie sich nicht nur um Strukturen sorgt, sondern um Menschen. Sie braucht Räume, in denen Glauben gefeiert, geteilt, befragt und gelebt werden kann.

Eine solche Kirche ist offen für Kinder und Jugendliche. Sie vertraut Ehrenamtlichen und Getauften. Sie arbeitet ökumenisch. Sie lässt unterschiedliche Lebensgeschichten zu Wort kommen. Sie nimmt Medien und neue Ausdrucksformen ernst. Sie pflegt die Liturgie, ohne sie unverständlich werden zu lassen. Sie achtet den Kirchenraum als heiligen Ort und öffnet ihn zugleich für Begegnung.

Kirche wird dann Heimat, wenn Menschen sich gesehen fühlen. Sie wird glaubwürdig, wenn sie nicht nur von Gemeinschaft spricht, sondern Gemeinschaft ermöglicht. Sie bleibt lebendig, wenn sie bereit ist, sich zu verändern, ohne ihre Mitte zu verlieren. Diese Mitte ist Christus, der Menschen an seinen Tisch ruft und ihnen Leben zusagt.

10. Schluss

Viele Fragen bleiben offen. Nicht jede Gemeinde wird alle Vorschläge umsetzen können. Nicht jeder Raum lässt sich umbauen, nicht jede Tradition kann sofort verändert werden, und nicht jede Idee wird überall Zustimmung finden. Aber wichtig ist, dass die Fragen gestellt werden: Wo erleben Menschen heute Kirche als Heimat? Wo entsteht Begegnung? Wo werden Kinder und Jugendliche ernst genommen? Wo arbeiten Christinnen und Christen über Konfessionsgrenzen hinweg zusammen?

Ich bin überzeugt: Kirche hat Zukunft, wenn sie den Mut hat, aus ihren eigenen Quellen heraus neu zu werden. Dazu gehört die Feier der Eucharistie, das Hören auf die Heilige Schrift, die Gemeinschaft der Glaubenden und die Hinwendung zu den Menschen. Eine Kirche, die betet, feiert, zuhört, erklärt, einlädt und begegnet, wird gebraucht – heute und morgen. Gerade darum lohnt es sich, um ihre Gestalt zu ringen.

Zeichnung zum Text Schematische Zeichnung eines offenen Kirchenraums mit Altar in der Mitte, Stuhlkreis, Kinderbereich, Musikbereich, Leinwand und Begegnungsbereich

  • Altar als Mitte der Gemeinschaft
  • Sitzordnung im Kreis bzw. Halbkreis, Ellipse
  • Kinderbereich mit Büchern und Malsachen
  • Musikbereich für moderne Gottesdienstformen
  • Leinwand für Medien, Bilder und Verkündigung
  • Begegnungs- und Cafébereich für Gespräche nach dem Gottesdienst
  • Heller, offener Kirchenraum mit Kreuz und Kirchenfenstern
  • Flexible Nutzung für Familien-, Jugend- und Gemeindegottesdienste

Damit wird genau sichtbar, was im Text immer wieder anklingt: Der Kirchenraum bleibt ein heiliger Ort, wird aber zugleich ein Ort der Begegnung, Gemeinschaft und Teilhabe. Ich finde besonders gelungen, dass weder der sakrale Charakter noch die Gemeinschaftselemente dominieren. Beides ist im Bild ausgewogen dargestellt und unterstützt die Grundidee einer Kirche, die ihre Mitte nicht verliert und sich dennoch weiterentwickelt.

 

Anmerkungen:

Die wichtigsten Gottesdienstformen

·         Eucharistiefeier (Heilige Messe): Der Hauptgottesdienst am Sonntag mit Schriftlesung, Predigt und der Wandlung von Brot und Wein, den nur geweihte Priester leiten dürfen.

·         Wort-Gottes-Feier: Ein Gottesdienst mit Eröffnung, Schriftlesungen und Predigt, der auch von ausgebildeten Laien geleitet werden kann (oft mit anschließender Kommunionausteilung).

·         Sakramente-Feiern: Eigene Gottesdienste zur Spendung der sieben Sakramente wie Taufe, Firmung, Buße (Beichte), Krankensalbung, Ehe oder Weihen

·         Stundengebet (Tagzeitenliturgie): Das offizielle, über den Tag verteilte Gebet der Kirche (Psalmen, Lesungen, Hymnen), das Priester, Ordensleute und auch Gläubige beten. [

·         Andachten: Kürzere, frei gestaltete Gebetszeiten wie Maiandachten, Kreuzwegandachten oder Rosenkranzandachten, Mittagsandacht, Impulsandacht

 

·         Segensfeiern und Prozessionen: Feierliche Umzüge oder spezielle Segnungen (zum Beispiel an Fronleichnam oder zu Jubiläen).

 

·         Zappelphilipgottesdienst (Krabbelgottesdienst und Kindergottesdienst)
Alle Kindergartenkinder, ihre Geschwister und Eltern sind einmal im Monat zum Zappelphilipgottesdienst eingeladen.

·         Familiengottesdienst
Familiengottesdienste sind Gottesdienste für jung und alt, die von einem engagierten Team vorbereitet werden. Zum Fa(milien)go(ttesdienst) laden wir ein.

·         Lied und Musikgottesdienst
ist ein Gottesdienst mit viel Musik, die von unserem Organisten und Chorleiter  dargeboten wird.

Gottesdienste in den Kliniken und Seniorenhäusern
Wöchentlich Gottesdienst direkt in der Klinik für Patienten, Angehörige und Klinikpersonal: in der,“ finden regelmäßig Gottesdienste statt zu denen jeder willkommen ist.

·         Der andere Gottesdienst
Viermal im Jahr gibt es einen Gottesdienst mit Gesprächen namens „Der andere Gottesdienst“.

·         Gottesdienst im Turmraum ,

·         Taizégebet
Im Winterhalbjahr findet einmal im Monat ein ökumen. Taizégebet statt. Geprägt sind diese Andachten von den Liedern der Gemeinschaft von Taize und einem Moment der Stille.

·         Andachten in der Advents- und Passionszeit
In der Advents- und Passionszeit finden werktags Andachten zum Kirchenjahr statt.

·         Ökumenische Gottesdienste
Ökumenische Gottesdienste finden nach Bedarf statt, z.B. für besondere Zielgruppen (Schulgottesdienste), bei besonderen Anlässen (Silvester) oder auf Anfrage (Trauungen).

Gottesdienstformen  besonders für Jugendliche

 

                                                Der Event-Gottesdienst

     Fokus auf Festival-Atmosphäre, moderner Live-Band, professioneller Lichttechnik und einerlebensnahen Kurzpredigt anstelle einer klassischen Liturgie. [

                                                     

                                                Der Dialog- & Stationengottesdienst: Jugendliche wechseln von der Zuhörer- in die                                                     Akteursrolle. Anstelle einer Predigt gibt es interaktive Stationen z. B. Abstimmungen                                                    via         Smartphone, Wertekarten, kreatives Gestalten.

 

Der Nachtgottesdienst / Chill-out-JuGo: Spätere Uhrzeit (z. B. Sonntagabend), gedimmtes Licht, Kerzen (Taizé-Elemente) oder Lounge-Musik, die Raum zum Nachdenken und "Herunterfahren" bietet.

                                          

                                           Das "Bühne frei"-Konzept: Ein partizipatives Modell mit vorgeschaltetem                                                                 Vorbereitungswochenende, bei dem Jugendliche Anspiele, Kulissen, Technik und                                               Musik komplett selbst entwickeln.]



Element

 

Moderner Jugendgottesdienst

Musik

 

Live-Band, Worship, säkulare Pop-/Rock-Songs mit Tiefgang

Sitzordnung

 

Stuhlkreis, Kissen, Lounge-Ecken oder Stehtische

Verkündigung

 

Dialog-Formate, Kurz-Inputs (Slam Poetry), Video-Clips

Gebet

 

Interaktiv: Digitale Wall (z. B. Mentimeter), Zettel-Klagemauer, Kerzenstation

Abschluss

 

"Meet & Eat" (Pizza, Snacks, Getränke und Raum für Gespräche)

 





Relevante Themenfelder für Jugendliche

·         Identität & Selbstwert: "Wer bin ich?", "Druck und Social Media", "Ich bin genug".

·         Entscheidungen & Zukunft: "Zukunftsangst", "Wo geht mein Weg hin?", "Verantwortung".

·         Gerechtigkeit & Schöpfung: "Klimakrise", "Fairness im Alltag", "Frieden".

·         Beziehungen & Brüche: "Einsamkeit", "Freundschaft", "Umgang mit Scheitern und Vergebung". [1, 2, 3]


 Professionelle Materialquellen und Vorlagen

·         Jugendarbeit.online: Bietet komplett ausformulierte Moderationsentwürfe, Dialog-Versionen und Step-by-Step-Anleitungen für JuGos.

·         Jugendgottesdienst Material (JUGOMAT): Jährlich aktualisierte, ausgearbeitete Gottesdienstentwürfe, liturgische Bausteine und Lieder (oft gekoppelt an die Jahreslosung).

·         Erzbischöfliches Jugendamt München und Freising: Praxiserprobte Methoden zur digitalen und analogen Beteiligung von Jugendlichen im Gottesdienst. [1]

 

Pfarreiengemeinschaft Marktoberdorf

Jugendgottesdienstkonzepte

Auf dieser Seite finden Sie einige Konzepte für Jugendgottesdienste. Es handelt sich dabei um Jugendgottesdienste die so bereits i...

 

                               Erzbischöfliches Jugendamt München und Freising

Erzbischöfliches Jugendamt München und Freising

Jugendgottesdienste können mit verschiedenen Elementen gestaltet werden, um Jugendliche einzubeziehen und zu inspirieren: * Musik:

 

bayern-evangelisch.de

In der Sprache der Jugendlichen - Gottesdienste feiern - ELKB

 

Musik, Songs , Modern                                         Kath.Jugend Oberösterreich

mit Video                                                               https://www.kj-ooe.at/spiritsongs


Und Noten                                                             Pop-Institut Nordkirche

        https://www.popinstitut-nordkirche.de/shop/

 

 

Was man sonst noch tun könnte :  

Treffpunkte Jugend

1.        Offene Arbeit,

2.        Verbandsarbeit stärken,

3.        Messdiener, CAJ einladen, Pfadfinder,

4.        Hausbesuche,

5.        Kontakte in den Schulen halten  

6.        Computer und Zocken,

7.        Musik, Chöre,  Disco

8.        moderne Musikgruppen fördern, 

9.        Wandern, Zelten, Freizeiten

10.      Wallfahrt, Taizé, Assisi

11.      Offene Spielabende

12.      Besichtigungen, Treffen, Berufsbilder erkunden,

13.      Filme analysieren und schauen, gemeinsam Lesen,

14.      Einfach Gespräche suchen, Bank am Jugendheim, vor der Kirche,

15.      Soziale Projekte angehen (Kinder, Jugendliche, Alte… unterstützen)