Plakat der Schulaufführung: "Und plötzlich bist du
schwanger"
Berlie
Doherty : DDEAR NOBODY
Helen (17):
“Und plötzlich bin ich schwanger”
Vorstellung des Jugendbuches
“dear nobody”
in Bildern, Szenen, Gesprächen, Tanzear Nobody
Berlie Doherty
Dear Nobody
dtv pocket
Übersetzt von Eva Riekert
240 Seiten
ISBN 978-3-423-78096-4
Euro 8,95 [D] 9,20 [A]
sFr 15,90 L U *
Ab 16 Jahre
Helen und ihr Freund Chris stehen kurz vor dem Schulabschluß, als Helen
entdeckt, daß sie schwanger ist. Wie vor den Kopf geschlagen versuchen sie das
Ganze zunächst einfach zu verdrängen. Die beiden fühlen sich dem nicht
gewachsen und haben Angst vor der ungewissen Zukunft. Doch allen
Schwierigkeiten zum Trotz weiß Helen eines ganz genau: Sie will dieses Kind zur
Welt bringen. Aber sie braucht auch Zeit, um zu verstehen, was das letztendlich
bedeutet...
Für ›Dear Nobody‹ erhielt Berlie Doherty 1991 die Carnegie Medal, die höchste
britische Auszeichnung.
Nach der Lektüre des Buches hatten die Schülerinnen und Schüler den Wunsch auch anderen ihre Ergebnisse vorzustellen. Sie entschlossen sich daher einen Infoabend mit Spielszenen, Texten aus dem Buch, mit Frauen der Beratungsstelle für Schwangerschaften zu planen und durchzuführen:
Ablauf des literarischen Abends im
Überblick
Planung „Dear Nobody“ – und plötzlich bin ich
schwanger“
Wir haben hier nur Texte aufgenommen , die nicht aus dem Buch stammen, sondern aus anderen Quellen oder Schülertexte
Nr 3 bitte benehmt euch
Regieanweisung: Rollenspiel zwischen Helen und Chris nach der Schule. S. 34
Z.22- 36 Z. 27
Nach Ende der Schule gingen Helen und Ruthlyn aus der Schule nach Hause. An einer Bank
bleiben sie stehen. Etwas später kommt Chris.
Ruthlyn : Ach, Helen heute haben wir aber wieder viele Hausaufgaben, ich muss
endlich sehen, dass ich alles hintereinander bekomme. Herr Müller meint aber
auch, wir hätten nichts anderes zu tun.
Helen: Ja, es wird immer schlimmer.
Ruthlyn: Du, Helen, was ich noch fragen wollte, Wie läuft es so mit Chris.
Helen: Ach ganz gut. Er ist mein ein und alles. Er ist schon ein süßer Kerl.
Ruthlyn: Ist es ernst mit euch ?
Helen: Ruthlyn, ich muss dir was erzählen? Aber Top sekret!
Ruthlyn: Was meinst du?- Komm nun sag schon- Ich bin ganz Ohr.
Helen: Weißt du, letzte Woche hatten wir einen wunderschönen romantischen
Abend- Kerzen, Musik –na, du weißt schon. Wir sind uns richtig nahe gekommen.
Du kannst dir vorstellen was ich meine?
Chris : Hallo, Helen, ich hab dich schon gesucht. Hey, Ruthlyn. Wie geht’s?
Ruthlyn: Ich muss, mein Bus kommt.
Dreht sich um, geht ein paar Schritte, grinst und ruft zurück:
Ruthlyn: „ Aber benehmt euch diesmal!“
Chris: „ Was meint sie, Helen?“
Helen: „Na was schon!“
Chris: „ Du hast ihr das doch wohl nicht erzähl, oder?!“
Helen: „ Klar hab ich“.
Chris ungläubig: „Das ist ja unfassbar“, ich fühl e mich verraten, „aber du hast ihr doch
hoffentlich nicht alles erzählt oder?“
Helen erklärend: „ Klar hab ich, sie ist doch meine beste Freundin, das erzählt man nun mal.“
Chris: „Was hat das denn damit zu tun, ich erzähl doch unser Geheimnis auch nicht meinen
Kumpel` s.“
Helen: Ich könnte wetten du hast es ihnen erzählt, alle Jungs prahlen doch damit, es fast getan
zu haben.“
Chris verteidigend: Unseren ganz besonderen Abend habe ich niemanden erzählt. Es war das
schönste in meinem Leben, was ich nur mit dir teilen will. Ich weis genau, das Tom es in der
Klasse rum erzählen würde, obwohl es mein bester Kumpel ist. Ich weis genau welche Worte
er benützen würde, sie würden banal und billig klingen. Nie hätte ich ihm das erzählt. Es ist
einfach zu kostbar, um es mit jemanden zu teilen. Du täuscht dich in mir. Du kennst mich
doch schon lange genug. Ich finde das total traurig das du ihr das erzählt hast.“
Helen: „ Ich habe es nie rumerzählt nur meiner besten Freundin anvertraut.“
Chris: „Ich kann es nicht fassen, wohlmöglich hast du es deiner Mutter auch noch erzählt, du
weist gar nicht wie ich mich jetzt fühle. Ich will dich einfach in den Arm nehmen, weil ich
dich doch so liebe.
(Sie gehen mit Abstand weiter.)
Helen: „ Ich habe es meiner Mutter nicht erzählt, sie ist nicht die Person, der ich etwas
anvertrauen kann.“
„ Meine Mutter ist verklemmt.“ „Ruthlyn kann ihrer Mutter wirklich alles anvertrauen.
Chris verärgert: „ Aha das weis ihre Mutter auch schon bescheid oder was?“
Helen: „Das ist unwahrscheinlich. Es besteht gar kein Anlass das Ruthlyn´ s Mutter über uns
bescheid weis.
Ich habe es ihr anvertraut und sie hat mir versprochen nicht zu sagen.“ „Chris...“
Helen bleibt stehen. Legt die Hand auf Chris´ s Arm.
Helen ruhig: „ Ach Chris, es tut mir Leid, ich weis das ich etwas falsch gemacht habe. Bitte
sei mir nicht böse. Aber du musst verstehen, ich gehöre dir nicht allein nur weil wir es
gemacht haben. Du haste keine Rechte an mir.“
Chris wütend: „ Dann tu ich eben auch was ich will.“
Einige Minuten ein stilles schweigen.
Chris: „ Was ist eigentlich los mit dir?“ „ Aus irgendeinen Grund, regst du dich immer über
mich auf!“
Helen wütend: „Ich habe nichts!“ „ Ich reg mich doch nicht auf, lass mich doch einfach in
Ruhe, geh doch nach Hause oder sonst wo hin. Es liegt einfach nicht an dir. Ich bin einfach
nur mit den falschen Bein aufgestanden. Sonst nichts. Es wäre besser gewesen wenn ich gar
nicht mitgekommen wäre. Aber wir waren verabredet und das halte ich ein.
NR. 4 Charakteristik von Chris
Chris lebt mit seinem Vater und seinem Bruder allein. Seine Mutter ist vor Jahren, als Chris
noch ein kleines Kind war, mit ihrem Geliebten davon gelaufen.
Chris ist in der Beziehung mit Helen sehr glücklich und würde alles für sie tun.
Man merkt, dass er sehr romantisch veranlagt ist, denn er will zusammen mit Helen die
Mondfinsternis bestaunen, einfach mit ihr kuscheln und es genießen mit ihr zusammen zu
sein. Auch mit dem Gedicht „Die Himmelstücher“ zeigt er seine romantische Seite.
Doch er will auch, dass die Beziehung zu Helen noch intensiver wird und verbeißt sich darin
Helen alles recht zu machen.
Da Chris mit seiner Mutter wieder Kontakt aufnehmen will, aber nicht weiß ob er ihr wirklich
schreiben soll, hilft Helen ihm dabei. Sie steht auch hinter ihm, als es darum geht, zu Joan zu
fahren. Im Bezug auf seine Mutter ist Chris sehr unsicher. Er weiß nicht so richtig wie er mit
ihr umgehen soll, aber dann haben sie einen ganz guten Draht zueinander.
Als Chris all die Briefe von Helen kurz vor der Abreise nach Newcastle bekommt, kann er
nicht fassen was darin stellt. Erst ist er sauer, doch er findet sich damit ab. Als er einen Anruf
aus dem Krankenhaus bekommt und erfahrt, dass Helen nun das Baby bekommt,
fährt er sofort zu ihr. Als er seine Tochter Amy sieht, will er sich das kleine Mädchen
zunächst nicht anschauen. Er merkt, dass er für die Vaterrolle noch nicht bereit ist, denn er ist
noch viel zu jung dafür. Trotzdem liebt er Amy. Am Ende des Buches bleibt es jedoch offen,
ob Helen und Chris später heiraten.
Am Anfang des Buches dachte ich, dass Chris viel zu liebevoll und verklemmt ist, um sich
viele Sorgen um die Beziehung mit Helen zu machen. Doch später waren meine Vorurteile
beiseite geschoben, denn es war richtig wie er mit allem umgegangen ist. Außerdem finde ich
gut, dass er am Schluss doch gemerkt hat, dass er für die Vaterrolle noch nicht reif genug ist
NR 8 Wie reagiert Helens Mutter?
Helen will mit der Mutter ins Gespräch kommen, indem sie versucht herauszufinden, ob sie
ein uneheliches Kind ist. Die beiden gehen in die Küche.
H. Mama, ich muss mal mit dir sprechen. Weißt du, ich finde es schlimm, dass du Chris
verboten hast zu uns zu kommen. Er ist ja nicht allein an der Sache beteiligt gewesen.
M: Helen du weißt, ich habe nichts gegen Chris, aber das was ihr da gemacht habt, war -
einfach unüberlegt. Was habt ihr euch dabei gedacht. Das Verbot, dass Chris nicht
mehr kommen darf wird nicht aufgehoben. Ich will nicht, dass er noch einmal in
dieses Haus kommt.
H. Mama, mit wem soll ich denn Reden? Papa ist verschlossen und spricht kaum noch
mit mir. Wenn ich ihn sehe, sitzt er am Klavier. Ich weiß ja, dass er unter dieser Sache
leidet. Ich werde zwar umsorgt, Kissen in den Rücken und so, aber richtig redet
keiner mit mir.
Und du, mit dir kann ich auch nicht reden. Ich habe ja manches falsch gemacht, dass
ich dich nicht mit dir offen über meine Probleme im Krankenhaus gesprochen habe,
als du alles für die Abtreibung vorbereitet hattest.
M Ich finde dein Verhalten nicht gut. So wäre alles zuende gewesen, die Sache wäre aus
der Welt. Und wir allen brauchten uns keine Sorgen mehr zu machen.
Aber du hast dich ja anders entscheiden. Ich akzeptiere das und werde dir auch helfen,
aber … es ist deine Zukunft, nicht meine. Du musst wissen, was du tust.
H: Aber Mum, ich weiß, dass es nicht richtig war, aber ungeschehen kann ich es jetzt
auch nicht mehr machen. Mum ich wollte dich noch was fragen. Naja , ähm, also........!
M: Helen, was versuchst du mich zu fragen?
H: Nan hat gesagt, dass ich ein uneheliches Kind bin.
M: Du kannst dir also vorstellen, dass ich so etwas tun würde? Etwas so schmutziges?
H: Nein, natürlich kann ich es mir nicht vorstellen. Wie kann Liebe denn so schmutzig
sein? Hast du denn jemals jemanden geliebt?
M: Ja, natürlich hab ich jemanden geliebt.
H: Hast du Dad geliebt, als ihr geheiratet habt?
Wieso sagst du nichts?
Ok, wenn du es mir nicht sagen willst, dann ist es besser, wenn ich jetzt gehe.
M: Nein, warte mal. Wenn du es unbedingt wissen musst.
Helen, ich bin das uneheliche Kind, nicht du! Ich bin ohne Trauschein auf die Welt
gekommen, wie es so schön heißt.
In Sünden geboren, dass kann ich meiner Mutter nie verzeihen. Ich weis nicht mal wer
mein Vater ist. Außer dem einen, Helen, das er Tänzer in einem Nachtclub war. Dass
hat dein Vater rausgefunden.
H: Das kann doch nicht wahr sein. Dann ist doch Grandad nicht wirklich ...............!
M: Er hat Nan geheiratet, als ich ungefähr neun war. Und glaub mir, Das war sehr mutig
und großzügig. Damals war eine unverheiratete Mutter nichts weiter als ein Flittchen.
Meine Mutter war von ihrer Familie fallengelassen worden. Sie war eine
Ausgestoßene und ich auch.
H: Es tut mir sehr leid für dich, aber jetzt ist alles vorbei. Jetzt fängt ein neues Leben an.
Mum, Jetzt begreife ich dich, warum du so gehandelt hast und solch eine Einstellung
hattest. Aber die Zeiten haben sich geändert. Es ist keine Schande mehr. Chris und ich
haben uns gern gehabt- Aber …
Ich glaube ich habe Chris auch weh getan. Ich habe mich von ihm getrennt. Er hat mir
gesagt, er bleibe bei mir und wolle seinen Studienplatz tauschen. Er wolle immer mit
mir zusammensein. Aber ich konnte das nicht annehmen.
Er würde sich opfern für mich. Ich glaube, er weiß gar nicht, was mit dem Kind auf
ihn zukommt.
Ich musste ihm seine Freiheit geben.
M Weiß du, wo Chris jetzt ist ?
H Ich weiß es nicht. Er ist wohl in die Ferien gefahren. Er hat mir Briefe geschrieben,
viele Briefe und alle enden sie: Helen, ich liebe dich.
Ich weiß nicht was ich tun soll!
NR 9 Reaktionen von Vätern
1. Verdammt noch mal, was hast du dir eigentlich dabei gedacht? Ich habe
dir doch oft genug erklärt, dass du noch nicht reif genug bist.
2. Was? Wie konnte denn dass passieren? Na ja jetzt ist es zu spät. Wir
gehen jetzt zu Mutter und erzählen es ihr. Dann besprechen wir, wie es
weiter geht. Aber wir schaffen das schon!
3. Meinst du dass jetzt ernst????? Das glaub ich jetzt nicht. Meine Tochter,
was sollen denn die anderen von uns denken. TREIB SOFORT AB,
ODER VERSCHWINDE AUS MEINEM HAUS!
4. Du hast doch wohl nicht alle Tassen im Schrank. Du bist doch erst 16. Du
hattest doch so viele Erwartungen vom Leben und jetzt das. Mit einem
Kind bist du doch total eingeschränkt. Ich will von dem Thema nichts
mehr hören. Geh zum Arzt und treib ab.
5. Klasse, du bist schwanger! Ich werde Großvater! Ich freue mich total.
Lass uns zu Mutter gehen und ihr diese schöne Nachricht überreichen.
6. Wie bitte?? Wo treibt sich jetzt dein Freund rum, dieses Arschloch
schnapp ich mir noch. Das hab ich nie von euch gedacht. Wie dumm bist
du eigentlich? Aber wir werden noch sehen! Den krieg ich noch.
7. Ach komm, du willst mich nur wieder verarschen. Das meinst du nicht
ernst. Es ist aber nicht gut von dir solche Scherze zu machen. Ach komm,
ich geh. Dafür hab ich jetzt echt keine Zeit.
8. Ich finde es nicht gut, aber es ist ja immer noch deine Entscheidung. Aber
denk mal über dich und deinen Freund nach. Glaubst du wirklich das er
für immer bei dir bleibt? Falls du dich auch für das Kind entscheidest,
solltest du wissen, dass wir hinter dir stehen
NR 15 Tanz und Gedicht Himmelstücher
Gedicht mit Tanz
Himmelstücher
Hätt ich die reich gestickten Himmelstücher
Gewirkt aus goldenem und silbernen Licht
Die blauen und die matten und die dunklen Tücher
Von Nacht und Licht und halben Licht,
Ich breite die Tücher dir zu Füßen:
Doch weil ich arm bin,
hab ich nur die Träume;
Die Träume breit ich aus vor deinen Füßen:
Tritt leicht darauf
Du tritts auf meine Träume
NR 11 Bildcollage / Schwangerschaft
NR 12 Gedicht Es ist Liebe
Es ist Liebe,
wenn der Frühling nie zu enden scheint.
Es ist Liebe,
wenn der Wind zärtlich deine Wangen streichelt
und die Hölle zum Paradies wird.
Es ist Liebe,
wenn das Herz fast zerspringt
und einem die Knie zittern.
Doch Liebe ist auch die Einsamkeit,
wenn es vorbei ist,
der nie endende Schmerz.
Liebe ist die unerfüllte Sehnsucht
und die bittersüße Erkenntnis,
dass nichts für ewig ist.
Die Liebe ist wie das Meer,
unergründlich und tief.
Doch wer es nicht wagt zu lieben,
wird auch nie geliebt werden.
Realität / ein Bericht aus der ZEIT
Schlusstext
Die meisten minderjährigen Mütter müssen ihr Kind allein
großziehen, weil sich die Väter davongestohlen haben
Jasmins Haar ist lila gefärbt, ihre Haut ist weich und hell. So wie
die ihres Babys, das sie in der überhitzten Wohnung gegen die
Brust drückt. Auf dem Herd köcheln Schnuller. Die
Waschmaschine surrt. Die Wohnung riecht nach Schweiß und
Zigaretten. Eigentlich brauchen Mädchen wie Jasmin (Name
geändert) selbst noch Menschen, die sie unterstützen. Jasmin,
die junge Mutter, ist 17 Jahre alt.
Als sie im vergangenen Herbst erfuhr, dass sie ein Kind
bekommen würde, fiel sie aus allen Wolken. Jasmin ist ein
molliges Mädchen und bemerkte nicht, dass ihr Bauch dicker zu
werden begann. Ihr Kind aber wollte Jasmin unbedingt zur Welt
bringen, auch wenn sie seit zwei Jahren auf der Straße lebte,
zuletzt in Dresden. Daniel wurde vor zwei Wochen geboren.
Seit Jahren steigt die Zahl der ungewollten Schwangerschaften
unter Teenagern, und immer öfter entscheiden sich die Mädchen
für das Kind. Von 13000 minderjährigen Schwangeren im Jahr
2001 brachten 5240 ihr Kind zur Welt. Verantwortlich für die
hohe Zahl jener Schwangerschaften ist nach Ansicht von
Sexualwissenschaftlern und Medizinern der unausgesprochene
Leistungsdruck unter Jugendlichen in Sachen Sex – nach dem
Motto: Alle haben schon, nur ich nicht. Meist sind die
Jugendlichen nicht genügend aufgeklärt. Der
Sexualkundeunterricht geht an ihnen vorüber: Entweder
verstehen sie nicht, was die Lehrer erzählen, oder sie können
das Gehörte nicht auf sich beziehen. Oft sind Jugendliche
überfordert mit dem Erwachsenwerden.
Als Jasmin mit ihrem Freund schlief, dachte sie aus einem
anderen Grund nicht an eine Schwangerschaft: Nach einem
Unfall hatten die Ärzte ihr gesagt, sie könne keine Kinder mehr
bekommen. Ihr Freund, Daniels Vater, war damals 22 Jahre alt.
Schon in Augsburg, wo die beiden herkommen, hat er mit
Jasmin das Leben auf der Straße geteilt. Dem Vater-Mutter-
Kind-Spiel hat er sich nur die ersten Wochen ausgesetzt, es
wurde ihm rasch zu anstrengend. „Er hat sich dann ’ne andere
gesucht“, sagt Jasmin. Die jungen, ledigen Mütter bleiben fast
immer allein zurück. Je jünger die Väter und Mütter sind, desto
seltener entwickelt sich zwischen ihnen eine dauerhafte
Partnerschaft.
Erst im siebten Monat ihrer Schwangerschaft suchte Jasmin Hilfe
und ging zum Jugendamt. Kurz vor Weihnachten bekam sie eine
Wohnung und einen Vormund zugewiesen; nun war immer
jemand da, der nach dem Rechten sah.
In allen größeren Städten Deutschlands gibt es – so will es das
Jugendhilfegesetz – betreute Wohnprojekte für minderjährige
Mütter (und Väter) mit Kind. Auf diese Weise werden die
Jugendlichen aufgefangen, wenn die Familie den Teenie-Eltern
die Unterstützung versagt. In der eigenen Wohnung sollen die
Mädchen selbstständiger werden. Minderjährige Mütter haben
ein gesetzlich verbürgtes Anrecht auf vielfältige Hilfen:
Ausbildungsvergütung, Wohngeld, Sozialhilfe und
Erziehungsgeld, bis ihr Kind zwei Jahre alt ist.
Vor kurzem ist Jasmin zurück in ihr altes Zuhause gezogen, in
die Nähe von Augsburg. Mutter und Tochter haben sich
versöhnt. „Der Kleine gibt mir Kraft, weil er mich braucht“, sagt
Jasmin. Daniel im Arm zu halten fühle sich gut an. „Zuerst hab
ich Angst gehabt“, erzählt sie, „ich hab gedacht, ich mach alles
falsch, ich kann mein Kind nicht erziehen, ich werde keine gute
Mutter.“ Es scheint, als lasse sie ihre eigene Kindheit hinter sich,
als habe der Säugling seine Mutter ins Leben zurückgeholt, weil
er sie gezwungen hat, die Straße hinter sich zu lassen und
Verantwortung zu übernehmen – für sich und für ihr Kind.
Jasmin hat angefangen, Pläne zu schmieden. Sie will das neunte
Schuljahr nachholen und Tierarzthelferin werden, um nicht eine
jener Teenager-Mütter zu werden, die laut einer Unicef-Studie
später doppelt so häufig in Armut leben wie erwachsene Mütter.
Jasmin hat einen neuen Freund, er ist 30 Jahre alt.
Er wolle sich um sie kümmern, habe er versprochen, und über sich sagt sie:
„Ich bin reifer geworden."
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